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HIV-Übertragung von Frau zu Frau

Scheidensekret und Menstruationsblut können HIV enthalten. Über Mund- und Vaginalschleimhaut kann HIV in den Körper eindringen. Eine sexuelle Übertragung von HIV von Frau zu Frau ist daher möglich, scheint aber ausgesprochen selten vorzukommen.

In der Februar-Ausgabe der Zeitschrift Clinical Infectious Diseases wird von einer HIV-Übertragung von Frau zu Frau berichtet. Unterstützt wird die Annahme, dass es sich um einen dieser seltenen Fälle handelt, durch die genotypische Ähnlichkeit der HI-Viren. Stattgefunden hat die Transmission vermutlich über gemeinsam benütztes Sexspielzeug.

Selten, aber doch

Im Dezember 1998 wurden in den USA 109.311 Frauen mit AIDS statistisch erfasst. Von diesen gaben 2.220 an, Sex mit einer Frau gehabt zu haben. Nur 347 berichteten ausschließlich von Sex mit dem gleichen Geschlecht, bei 98% gab es aber ein weitere Möglichkeit, wie sie sich mit HIV infiziert haben konnten, meist handelte es sich dabei um intravenösen Drogengebrauch. In keinem einzigen dieser Fälle konnte nachträglich bestätigt werden, dass es sich um eine HIV-Transmission unter Frauen, die Sex mit Frauen haben (FSF), handelte.

Riskantes Verhalten

Untersuchung zur Risikoeinschätzung von FSF haben herausgefunden, dass sich manche Gruppen von FSF relativ häufig - durch intravenösen Drogengebrauch oder ungeschützten Geschlechtsverkehr mit schwulen/bisexuellen Männern oder intravenösen Drogengebrauchern - hochriskant verhalten. In einer in San Francisco durchgeführte Befragung gaben 81% der teilnehmenden lesbischen und bisexuellen Frauen an, in den letzten drei Jahren Sex mit Männern gehabt zu haben. 39% dieser Frauen berichteten von ungeschütztem vaginalem und 11% von ungeschütztem analem Geschlechtsverkehr.

FSF sind daher - auch wenn eine sexuelle HIV-Übertragung von Frau zu Frau wahrscheinlich äußerst selten vorkommt - eine wichtige Zielgruppe für die Präventionsarbeit.

FSF haben sollten wissen:

dass eine Übertragung von HIV durch den Kontakt von Vaginalflüssigkeit oder Menstruationsblut mit Mund- oder Scheidenschleimhaut möglich ist.

dass sie sich beim Oralsex durch Dental Dams (Lecktücher), aufgeschnittene Kondome oder Plastikfolie vor dem Kontakt mit potentiell infektiösen Körperflüssigkeiten schützen können.

dass beim Geschlechtsverkehr mit Männern Kondome benützt bzw. die Safer Sex-Regeln eingehalten werden sollten.

dass Sexspielzeuge nicht von mehreren Frauen bzw. nur mit Kondomen verwendet werden sollten.

dass das Wissen über den eigenen HIV-Status zu einer Verhaltensänderung bei HIV-positiven und HIV-negativen Frauen führen bzw. bei einem positiven Testergebnis den frühen Zugang zu medikamentöser Behandlung ermöglichen kann.

Menschen, die im Gesundheitsbereich tätig sind, sollten nicht vergessen,
dass sich das Sexualverhalten nicht notwendigerweise aus der sexuellen Identität ableiten lässt. Und dass für lesbische Frauen daher das Risiko besteht, sich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr mit Männern mit HIV zu infizieren. dass Präventionsmaßnahmen, die sich an FSF richten, jene Verhaltensweisen ansprechen müssen, die ein HIV-Infektionsrisiko für FSF darstellen, nämlich intravenösen Drogengebaruch und ungeschützten Sex mit Männern.

Quellen:

Kwakwa H A et al. "Female-to-female transmission of human immunodeficiency virus." Clinical Infectious Diseases 35: 40-41, 2003

Lemp G F et al. "HIV seroprevalence and risk behaviors among lesbians and bisexual women in San Francisco", American Journal of Public Health 85: 1549-1552, 1995
"HIV/AIDS & U.S. Women Who Have Sex With Women (WSW)" Division of HIV/AIDS Prevention, US Centers for Disease Control and Prevention, letztes Update Juli 2003
http://www.cdc.gov/hiv/pubs/facts/wsw.htm
Spezielle Bedürfnisse von FSF

Frauen, die Sex mit Frauen haben, haben spezifische Gesundheitsprobleme und daher auch spezifische Bedürfnisse an das Gesundheitssystem, die allerdings von der Medizin so gut wie gar nicht wahrgenommen werden. Dies kann, wie die Autorinnen eines kürzlich im British Medical Journal erschienenen Artikels meinen, zu Problemen bei Prävention, Diagnostik und Therapie verschiedener Erkrankungen führen.

Riskante Fehleinschätzungen

Unter anderem besteht häufig die Meinung, dass bei Frauen, die keinen Sex mit Männern haben, auch kein Gebärmutterhalsabstrich erforderlich ist, da sie ja kein Risiko hätten, sich mit dem Humanen Papillomavirus (HPV) zu infizieren. Irrtum, denn eine von fünf Frauen, die niemals heterosexuellen Geschlechtsverkehr hatten, ist HPV-positiv. Auch sexuell übertragbare Krankheiten, wie Tripper, Syphilis, HIV (siehe oben) oder Chlamydien können von Frau zu Frau übertragen werden. Bakterielle Vaginosen kommen bei FSF sogar häufiger vor, und insgesamt betrachtet, hatten 10% der Frauen, die ausschließlich Sex mit Frauen hatten, bereits einmal eine sexuell übertragbare Krankheit

Mentale Gesundheitsprobleme werden von FSF häufig angegeben. Es scheint ein erhöhtes Risiko in Bezug auf Selbstmord, absichtliche Selbstzerstörung, Angsterkrankungen und Depression vorzuliegen. Isoloation und Stigmatisierung stellen für jüngere ebenso wie ältere FSF, vor allem bei Verlust der Partnerin, ein Problem dar. Voreingenommenheit und Vorurteile können nicht nur Auslöser für psychische Problemen sein, sondern auch dazu führen, dass FSF das Aufsuchen medizinischer Einrichtungen vermeiden oder ihr Sexualverhalten verheimlichen.

Erhöhtes Krebsrisiko

Das Krebsrisiko von FSF wurde bisher nicht ausdrücklich untersucht. Unterschiedlichste Gründe führen jedoch dazu, dass FSF ein höheres Risiko haben an Eierstock-, Endometrium, Lungen- oder Darmkrebs zu erkranken. FSF konsumieren mehr Alkohol, rauchen häufiger, haben öfter einen höheren Body Mass-Index und nehmen seltener an Vorsorgeuntersuchungen teil. FSF haben seltener Kinder und wenn, dann bekommen sie sie meist erst später. Das Schlucken der Pille, Schwangerschaften und Geburten etc. schützen aber vor Eierstockkrebs.

Hughes C et al. "Health needs of women who have sex with women - Healthcare workers need to be aware of their specific needs", BMJ 327: 939-940, 2003

© Die AIDS-Hilfen Österreichs, 2004
Text: Dr. Sigrid Ofner

Letzte Änderung am Freitag, 9. Oktober 2015 um 13:18:02 Uhr.

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