Spiegelmessung

Spiegelmessung (Pharmakokinetik)

Bestimmung der Medikamente im Blut

Eine Kooperation der HIV-Ambulanz
im Zentrum der Inneren Medizin III
und des Institutes für klinische Pharmakologie
Universitätsklinik Frankfurt
Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt am Main

Was ist Pharmakokinetik?

Pharmakokinetik ist die Information über die Aufnahme, Verteilung und Ausscheidung von Medikamenten im Körper.

Aufnahme von Medikamenten

Wenn Sie Tabletten einnehmen, so gehen diese einen vorbestimmten Weg durch ihren Körper: Die Aufnahme wird durch Eigenschaften und Darreichungsform der Medikamente bestimmt.

Eine Tablette muß im Magen oder Darm aufgenommen werden und wird dann über das Blut zu Leber und anderen Organen transportiert. Ein Medikament als Infusion gegeben, gelangt direkt ins Blut und damit zu den Organen oder Körpergeweben, wo es wirken soll.

Bei Tabletten ergeben sich die ersten Unterschiede zwischen verschiedenen Patienten bereits bei der Aufnahme (Resorption) der Wirkstoffe. Dabei spielen beispielsweise Alter, Herkunft, Geschlecht und Essensgewohnheiten eine große Rolle. Ob eine Tablette mit oder ohne Essen eingenommen wird, kann die Geschwindigkeit der Aufnahme und die Menge des aufgenommenen Wirkstoffes stark beeinflussen.

Verteilung im Körper und Abbau der Medikamente

Das gilt auch für die Verteilung im Körper und den Abbau der Medikamente: Damit Medikamente gezielt wirken können, müssen Sie dorthin gelangen, wo sie wirken sollen. In einige Körpergewebe gelangen Medikamente nur sehr schwierig, wie z.B. das Gehirn oder die Lymphknoten. Bei Schwangeren oder stillenden Müttern wiederum gelangen Medikamente mitunter auch an Orte, wo sie nicht unbedingt hingelangen sollen: Das ungeborene Kind oder die Muttermilch.

Ebenfalls sehr unterschiedlich verläuft der Abbau. Das hängt von Faktoren ab, wie z.B. dem Zustand der Leber, wo die meisten Medikamente umgebaut werden, damit sie vom Körper abgebaut und ausgeschieden werden können. Auch der Zustand der Nieren, welche den Hauptausscheidungsweg über den Urin sicherstellen, ist dafür wichtig.
Menschen mit Lebererkrankungen oder Nierenschäden können Medikamente nicht genauso gut und schnell ausscheiden wie Gesunde.

Arzneimitteldosierung

Bevor ein neues Medikament in der Apotheke verkauft werden darf, müssen klinische Studien mit diesem Medikament durchgeführt werden. In diesen werden unter anderem die optimalen Dosierungen für jedes Medikament geprüft.

Dabei gibt es zwei wichtige Werte, die eine optimale Dosierung im Blut der Patienten einhalten soll: Eine Mindestkonzentration des Medikaments im Blut, bei der eine Wirkung zu 95% sicher ist soll erreicht und eine Höchstkonzentration soll nicht überschritten werden, oberhalb derer giftige Arzneimittelwirkungen (die unerwünschten Nebenwirkungen) auftreten können.

Pharmakokinetik in der HIV-Therapie

Gerade in der HIV-Therapie ist es wichtig, deshalb den Medikamentenspiegel im Blut der Patienten zu bestimmen. Nur so können Arzt und Patient weitgehend sicherstellen, dass bei Einnahme der Medikamente das Virus sicher bekämpft und gleichzeitig unerwünschte Arzneimittelwirkungen ausgeschlossen werden können.

Bei HIV kommt noch ein anderer wichtiger Aspekt hinzu: Wie bei allen antibakteriellen oder antiviralen Therapien muss sicher sein, dass die verabreichten Medikamente einen wirksamen Spiegel im Blut der Patienten erreichen. Sonst kommt es zur Resistenzentwicklung des Virus gegen die eingenommenen Medikamente. Diese Therapien sind dann nur noch belastend für den Patienten, gegen das Virus aber wirkungslos.

Das regelmäßige Überprüfen des Medikamentenspiegels ist ein ganz wichtiger Baustein einer wirksamen und möglichst nebenwirkungsarmen Therapie.

Wann und wie oft sollte der Medikamentenspiegel überprüft werden?

Zu Beginn einer neuen Therapie: Spiegelmessungen sollten möglichst zwei Wochen nach Beginn jeder neuen Therapie mit einem Proteaseinhibitor (PI) oder einem Nichtnukleosidalen Reverse Transkriptasehemmer (NNRTI) erfolgen. Dann befindet sich der Körper in einem Gleichgewicht zwischen Einnahme und Ausscheidung und es ist davon auszugehen, daß der dann gemessene Medikamentenspiegel relativ konstant ist.

Nicht gemessen werden die Spiegel von Nukleosidalen Reverse Transpriptasehemmern (NRTI) weil der Zusammenhang zwischen Blut- und Gewebespiegeln (dort, wo die Arzneimittel wirken sollen) noch nicht geklärt ist.Beim Auftreten toxischer Arzneimittelwirkungen.Beim Versagen einer Therapie, gesehen an einer Viruslaststeigerung bzw. dem Abfall der CD4-(Helfer-)zellen.Generell alle 6-12 Monate zur Kontrolle.

Wie wird gemessen?

Dazu wird Ihnen mit Hilfe einer Venenverweilkanüle Blut abgenommen und in einem auswärtigen Labor analysiert. Damit die Messung genau wird, sollte mindestens über den Zeitraum von 12 oder 24 Std. gemessen werden. Das entspricht in der Regel dem normalen Dosisintervall (Zeitraum zwischen zwei Medikamenteneinnahmen). Es bedeutet für Sie, dass innerhalb von 24 Std. insgesamt 8 Blutentnahmen erfolgen. Jedes Mal werden nicht mehr als 9ml Blut abgenommen. Die gesamte Abnahmemenge beträgt nicht mehr als 72 ml Blut. Zum Vergleich: Bei einer einmaligen Blutspende beim Blutspendedienst werden 500ml Blut abgenommen.

Wann und wie oft dies geschehen sollte, besprechen Sie mit ihrem behandelnden Arzt.

Was wird gemessen?

Die individuelle Verweildauer der Medikamente im Blut.Die Halbwertszeit der Medikamente im Blut, d.h. den Zeitraum, innerhalb dessen die Hälfte des Medikaments aus dem Blut abgebaut ist.Die Zeitdauer der Aufnahme des Medikaments in den Körper.Den maximalen und den minimalen Medikamentenspiegel innerhalb eines Einnahmezeitraumes (Dosisintervall)die Gesamtaufnahmemenge des Medikaments in 12/24 Stunden, die sogenannte AUC.

Wir werden diese gemessenen Werte in Zusammenhang setzen mit der Wirkung der Therapie und ihrer Verträglichkeit.

Um die neu gewonnenen Daten miteinander vergleichen zu können und diese Methode im Patientenalltag einzuführen, möchte die HIV-Ambulanz in Kooperation mit dem Institut für Klinische Pharmakologie der Universitätsklinik Frankfurt einen neuen Standard einführen.

Das kann nur durch ihre Mitarbeit geschehen! Wenn Sie uns helfen, diese neue Methode sicher und möglichst komfortabel für Patienten zu machen, leisten Sie einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der HIV-Therapie.

Dabei werden keine neuen Medikamente getestet! An ihrer bisherigen Therapie ändert sich deshalb nichts!

Der Ablauf der Pharmakokinetikmessung

Den Ablauf der Pharmakokinetikmessung entnehmen sie bitte dem Ihnen ausgehändigten Ablaufplan.

Sie besprechen diesen mit ihrem behandelnden Arzt oder den zuständigen Studienassistenten.

Die Blutentnahme erfolgt über eine Venenverweilkanüle, die mit den folgenden Risiken verbunden ist:


Schmerzhaftigkeit der Einstichstelle auch über den Untersuchungstag hinaus
Möglichkeit der lokalen Entzündung an der Einstichstelle
Erhöhtes Risiko für lokale Hämatombildung (Bluterguss) oder Schwellung auch über den Untersuchungstag hinaus

Alle diese Folgen sind in der Regel zeitlich begrenzt und reversibel.

Schreiben Sie sich die Fragen auf, die ihnen beim Lesen dieser Information kommen und besprechen Sie diese mit ihrem behandelnden Arzt.

Autor: Nils v. Hentig
Institut für klinische Pharmakologie,
in Zusammenarbeit mit
Bettina Fisk, Dipl. med. Päd.
Qualifizierung „Studienassistenten im Prüfzentrum“

Universitätsklinikum
Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt/M.




Letzte Änderung am Mittwoch, 27. August 2008 um 12:30:43 Uhr.


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