Hinweise zur Arztwahl



Aktualisiert: 03/2006

Wie finde ich den richtigen Arzt für die Behandlung meiner HIV-Infektion?


von Holger Pfister, Frankfurt am Main

Sie haben gerade von Ihrer Infektion erfahren und sind jetzt auf der Suche nach einem erfahrenen Arzt zur Behandlung und Durchführung der notwendigen Untersuchungen?

Sicherlich werden Sie auch viele Fragen haben, da die Situation für Sie vollkommen neu und verwirrend ist und Ihnen sicherlich auch große Angst macht.

Daher brauchen Sie jemanden, der Ihnen zuhört, Sie ernst nimmt und auch Ihre Fragen so beantwortet, dass Sie die Antworten auch verstehen.

Also einen Arzt, der sich auf dem Gebiet der HIV-Medizin sehr gut auskennt und selbst das nötige Fachwissen besitzt, um Ihre Fragen richtig beantworten zu können und genau weiß, welche Schritte als nächstes getan werden müssen.

Daher sollten Sie sich zuerst z. B. an die örtliche AIDS-Hilfe wenden (Eine Übersicht über HIV-Schwerpunktpraxen finden Sie auch hier) oder auch an Ihr örtliches Gesundheitsamt (Adressen finden Sie im Telefonbuch). Dort wird man Ihnen gerne die Adresse(n) von HIV-Schwerpunktpraxen in Ihrer Nähe nennen.

Nach welchen Kriterien sollten Sie nun Ihren Arzt auswählen?

Stellen Sie fest, ob Sie zu dem von Ihnen gewählten Arzt Vertrauen haben können und ob Sie menschlich mit diesem klarkommen.

Prüfen Sie, ob er die schwierigen Zusammenhänge von HIV und Immunsystem für Sie verständlich erklären kann.


Fragen Sie, wie lange er schon HIV-Patienten betreut und wie viele HIV-Patienten derzeit in der Praxis sind (je länger die Zeit der Behandlung und je höher die Zahl der Patienten die bisher behandelt wurden, desto wahrscheinlicher ist eine hohe Erfahrung im Umgang mit HIV)
Fragen Sie Ihren Arzt, ob er irgendwelchen Arbeitskreisen zu HIV/AIDS (z. B. DAGNÄ e. V.) angehört
Fragen Sie, ob sich der Mediziner an regelmäßigen Fortbildungen z. B. bei der KV (Kassenärztlichen Vereinigung) seines Bundeslandes beteiligt
Fragen Sie ob es einen Kontakt zu einer z. B. einer Universitätsklinik in der nächst größeren Stadt gibt, wo sich Ihr Arzt ggfs. selbst Informationen holen kann
Fragen Sie, ob er auch nationale/internationale Konferenzen und Kongresse besucht
Fragen Sie, ob Ihr Arzt eine Notfall-Nummer hat, über die er auch am Wochenende und an Feiertagen, falls notwendig, für Sie erreichbar ist
Fragen Sie, ob Ihr Arzt das Internet nutzt, evtl. eine eigene Homepage hat und ob er per E-Mail erreichbar ist (erleichtert z. B. ungemein das Bestellen von Rezepten, etc.)
Machen Sie sich unbedingt vor Ihrem ersten Besuch eine Checkliste mit Fragen, die Sie Ihrem Arzt vorlegen wollen. Oft vergisst man in der Hektik und vor Aufregung viele Fragen, die einen belasten und die man "doch unbedingt" stellen wollte.

Ich empfehle Ihnen dringend, ruhig mehrere Ärzte aufzusuchen und sich den Ihrer Meinung nach Besten herauszusuchen.

Lernen Sie, selbst Verantwortung für Ihre Krankheit zu übernehmen. Denn nicht Ihr Arzt ist HIV-Infiziert, sondern SIE selbst!

Überlassen Sie nicht alles dem Arzt, sondern seien Sie ruhig kritisch, wenn er Ihnen z. B. eine neue Therapie verordnet.

Aber handeln Sie niemals eigenmächtig (z. B. Absetzen der Therapie, Einnahme NICHT aller Medikamente, etc.), ohne das Ihr Arzt darüber weiss!

Fragen Sie lieber einmal zu viel als einmal zu wenig!

Author: Holger Pfister




Letzte Änderung am Mittwoch, 19. November 2008 um 20:25:35 Uhr.


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