Resistenzen verstehen


Hinweis:

Alle hier bereitgestellten Daten dienen lediglich zur Information. Sie können und sollen NICHT das persönliche Gespräch mit einem Arzt Ihres Vertrauens ersetzen!

Resistente Viren – Was versteht man darunter?

Das Wort „Resistenz“ kommt aus dem Lateinischen und heißt so viel wie Widerstand. Viren, die resistent sind, sind widerstandsfähig gegenüber speziellen Medikamenten. Sie reagieren auf diese nicht mehr empfindlich.

Im Falle von HIV bedeutet das, dass die Vermehrung des resistenten Virus durch ein antiretrovirales Medikament nicht mehr gehemmt wird. Das Medikament erfüllt also seine Aufgabe, HIV an der Vermehrung zu hindern, nicht mehr.

Für das Versagen der HAART ( = hochaktive antiretrovirale Therapie) sind häufig resistente HI-Viren verantwortlich.

Resistenzentwicklung – Wie kommt es dazu?

Im Körper eines HIV-infizierten Menschen wird täglich eine große Anzahl neuer Virus-Kopien produziert. Die Kopien, die im Rahmen eines Vorganges, der Replikation genannt wird, entstehen, entsprechen aber nicht immer hundertprozentig dem ursprünglichen Virus.

Während der Replikation kommt es zu kleinen Fehlern, den sogenannten Mutationen. Manche dieser Mutationen treten in jenen Teilen des HI-Virus auf, an denen die antiretroviralen Medikamente ihre Wirksamkeit entfalten.

Geschieht dies bei einem HIV-positiven Menschen, der antiretrovirale Medikamente einnimmt, hat das neu entstandene HI-Virus durch die „richtige“ Mutation einen Vorteil gegenüber den anderen HI-Viren. Es kann sich trotz der Medikamente vermehren, wodurch eine neue resistente Viruspopulation entsteht.

Resistenzen – Kann ich sie vermeiden?

Das Risiko, resistente Viren zu entwickeln, ist um so geringer, je weniger Möglichkeiten HIV hat, sich zu vermehren. Denn, wenn es zu keiner Replikation kommt, können auch keine Mutationen und damit keine veränderten Virus-Kopien entstehen.

Eines der Ziele der HAART ist es, die Vermehrung der Viren so gering wie möglich zu halten. Wird dieses Ziel optimal erreicht, entstehen kaum neue Virus-Kopien. Wird dieses Ziel allerdings nicht erreicht und es entstehen trotz der Medikamente viele neue Virus-Kopien, kann es zur Entwicklung resistenter Viren kommen.

Es ist daher wichtig, dass Sie Ihre HIV-Medikamente in der richtigen Dosierung, zum richtigen Zeitpunkt und unter Berücksichtigung spezieller Einnahmevorschriften einnehmen.

Nur dann kann die HAART optimal wirken.

Laborkontrollen – Was sagen sie aus?

Um festzustellen, ob die HAART, die Sie einnehmen, wirkungsvoll ist, sollte Ihre Viruslast regelmäßig kontrolliert werden. Liegt sie unter 20 Virus-Kopien pro Milliliter Blut, ist das Risiko einer Resistenzentwicklung sehr gering.

Liegt Ihre Viruslast trotz Therapie über der Nachweisgrenze bzw. steigt ihre Viruslast trotz Therapie an, könnte eine Resistenz gegenüber einem oder mehreren Medikamenten, die Sie einnehmen, vorliegen. Um dies herausfinden zu können, werden sogenannte Resistenztests durchgeführt.

Mit Hilfe von Resistenztests kann festgestellt werden, auf welche Medikamente die HI-Viren in Ihrem Körper empfindlich reagieren und auf welche nicht. Die Ergebnisse können für die weitere Gestaltung der Behandlung, z. B. eine Therapieumstellung, entscheidend sein.

Kreuzresistenz – Was ist das?

Schon eine einzige Mutation in bestimmten Teilen von HIV kann dazu führen, dass dieses Virus und die im weiteren davon entstehenden Virus-Kopien nicht nur gegen ein Medikament, sondern gegen mehrere verschiedene Medikamente resistent werden. In solchen Fällen spricht man von Kreuzresistenzen. Durch Kreuzresistenzen kann es dazu kommen, dass die HI-Viren in Ihrem Körper auch gegen Medikamente resistent sind, die Sie noch nie eingenommen haben.

Safer Sex auch unter HIV-positiven PartnerInnen –

Der häufigste Übertragungsweg von HIV ist ungeschützter Geschlechtsverkehr. Diese Tatsache ist auch für HIV-positive Menschen von Bedeutung, wenn sie miteinander Sex haben. Jede/r Betroffene trägt andere HI-Viren in seinem/ihrem Körper, die bei ungeschütztem Sex auf den/die PartnerIn übertragen werden können. Es kann sich dabei auch um resistente HI-Viren handeln.

Bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit einem/r HIV-positiven PartnerIn könnten Sie sich mit resistenten HI-Viren infizieren. Möglicherweise reagieren diese auf die von Ihnen eingenommenen Medikamente nicht empfindlich und vermehren sich in Ihrem Körper weiter oder Sie bemerken erst Jahre später, beim Beginn einer Behandlung, dass Sie auf gewisse Medikamente nicht ansprechen.

Daher sollten Sie die Safer Sex-Regeln auch bei Sex mit einem/r HIV-positiven-PartnerIn beachten und Kondome verwenden.

Quelle: Die AIDS-Hilfen Österreichs
Dr. Sigrid Offner, Wien


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Letzte Änderung am Freitag, 9. Oktober 2015 um 13:17:42 Uhr.

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