Beipackzettel Schokolade

Wie müßte ein Beipackzettel für Schokolade ausschauen?

Immer wieder hört man über unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten. Mancher Beipackzettel zu Medikamenten ist gespickt mit beängstigenden Fachausdrücken und Hinweisen auf drohende Schäden. Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass manche Patienten schon deshalb ihre Medikamente gar nicht erst einnehmen und sich unwissend den vielleicht tödlichen Folgen einer Krankheit (z. B. HIV-Infektion -> AIDS) aussetzen.

Die rechtliche Situation zwingt die Pharmahersteller, alle irgendwo festgestellten Beschwerden während der Einnahme eines Medikamentes in den Beipackzettel aufzunehmen. Dies führt in der Regel zu einer völligen Fehleinschätzung der wirklichen Gefahr.

Stellen Sie sich vor, Sie würden ein Medikament mit folgendem Beipackzettel bekommen:

"An Nebenwirkungen sind bekannt: Zahnverfall von frühester Kindheit an, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen , Übelkeit, Verstopfung . Bei längerer Einnahme sind Fälle von Übergewicht , Bluthochdruck und Zuckerkrankheit erwiesen. In diesem Zusammenhang kann die Einnahme zu Bewusstlosigkeit , zu Schlaganfall, zu Herzinfarkt, zu Nervenausfällen , zu Nierenversagen, zu Erblindung, zu hohem Fieber und zu Amputation der Gliedmaßen führen, Todesfälle sind erwiesen."

Beim Lesen dieses Beipackzettels wären Sie sicherlich entsetzt.
(Vergleichen Sie auch mit Ihrem Medikamenten-Beipackzettel!)

Das wäre der Beipackzettel für Schokolade, wenn für Lebensmittel die gleichen Richtlinien gelten würden wie für Medikamente. Und so „gefährlich“ wäre der Beipackzettel auch bei vielen anderen Lebensmitteln.

Hier wird klar, wie sehr die Relationen verschoben sind und zu Verunsicherung führen.

Wie selbstverständlich wir mit zum Teil tödlichen "Nebenwirkungen" in unserem täglichen Leben umgehen, sieht man am unbedenklichen Umgang mit dem Auto im Straßenverkehr, dem Rauchen und dem Alkoholkonsum.

Schokolade, aber besonders Zigaretten und Alkohol haben keinerlei krankheitslindernde Wirkung und führen wissenschaftlich nachgewiesen zu Krankheiten mit oft tödlichem Ausgang.

Medikamente dagegen dienen der Beseitigung oder Linderung von Krankheiten und haben millionenfach Menschenleben gerettet. Sicher haben auch sie hin und wieder Nebenwirkungen. Diese werden jedoch in der Regel früh bemerkt und klingen nach Absetzen des Medikaments meist folgenlos ab.

Die Relationen in der Bewertung sind jedoch verschoben:

Ist es nicht grotesk, dass Nebenwirkungen von Genussmitteln als selbstverständlich hingenommen werden, während bei krankheitslindernden Medikamenten nach Nebenwirkungen gesucht wird und die Medikamente deswegen abgelehnt werden?

Quelle: Östereichische Apothekerkammer





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Letzte Änderung am Freitag, 9. Oktober 2015 um 13:17:41 Uhr.

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