Mittwoch, 28. Juli 2010 - 11:56 Uhr
Therapiebeginn – je früher desto besser?
Der nachfolgende Text enstammt einer Pressemeldung der Firma Gilead Sciences vom Juli 2010:
HIV-Infektion
Chronische Inflammation und Therapiebeginn – je früher desto besser?
München/Köln, 26. Juli 2010 – Eine HIV-Infektion führt über eine Aktivierung des Immunsystems zu einer persistierenden systemischen Inflammation. Diese steht möglicherweise mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko und anderen Komorbiditäten der Betroffenen im Zusammenhang – so die Experten auf einem Symposium im Rahmen des 10. Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin in Köln unter dem Vorsitz von Professor Dr. Jürgen Rockstroh, Bonn.1 Ein früherer Beginn einer antiretroviralen Therapie könnte daher für die Betroffenen auch Vorteile hinsichtlich der Entzündungsmediation bringen. Inwieweit sich dies auf damit auch assoziierte Begleiterkrankungen im höheren Lebensalter auswirkt, bleibt jedoch bisher Spekulation.
Ziel einer antiretroviralen Therapie (ART) ist es, die Vermehrung der HI-Viren zu stoppen, das Immunsystem zu stabilisieren und die Progression der Erkrankung aufzuhalten. „Die Frage, wann der ideale Zeitpunkt ist, mit einer ART zu beginnen, wird dabei seit Jahren diskutiert“, betonte Dr. Carl Knud Schewe, Hamburg. Vereinfacht dargestellt wurde gemäß bisheriger Leitlinien eine antiretrovirale Therapie dann initiiert, wenn bei asymptomatischen Patienten die CD4-Zellzahl die Grenze von 350 Zellen/μl unterschritten hatte. In den gerade aktualisierten Deutsch-Österreichischen2 und auch anderen internationalen Leitlinien ist heute auch bei Patienten mit mehr als 350 CD4-Zellen/μl eine ART im Allgemeinen ratsam, wenn zusätzliche Faktoren vorliegen – so beispielsweise eine Viruslast über 100.000 HIV-RNA Kopien/ml, höheres Lebensalter (über 50 Jahre), Vorliegen einer Hepatitis-Koinfektion oder ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.
Hintergrund dieser Empfehlungen sind aktuelle Studienergebnisse, die unter anderem zeigen, dass Patienten mit höheren CD4-Zellzahlen zu Therapiebeginn eine bessere Prognose haben: Daten von Palella et al. zufolge ist eine Zellzahl von ≥350 Zellen/μl vor Beginn der ART nach einer medianen Beobachtungszeit von vier Jahren mit einer verbesserten Immunrekonstitution und einer höheren Überlebenswahrscheinlichkeit assoziiert (p<0,001).3 Dies steht in Einklang mit Ergebnissen der SMART-Studie, einer großen multinationalen Untersuchung mit fast 6.000 Teilnehmern: Dabei erlitten Patienten, die trotz einer CD4-Zellzahl von >350 Zellen/μl eine kontinuierliche ART erhalten hatten, signifikant weniger opportunistische Infektionen und wiesen eine geringere Gesamtmortalität auf als Patienten, die bei einer CD4-Zellzahl von >350 Zellen/μl eine Therapiepause einlegten und erst wieder mit der ART begannen, wenn die CD4-Werte auf <250 Zellen/μl gesunken waren (p<0,007). Unter der kontinuierlichen Therapie war auch die Zahl kardiovaskulärer Ereignisse sowie nephrologischer und hepatischer Erkrankungen signifikant geringer als unter der Behandlung mit Therapiepausen (p=0,009).4 Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass Patienten mit einer frühen kontinuierlichen ART signifikant weniger Entzündungsparameter wie z. B. D-Dimer oder Interleukin-6 im Plasma aufwiesen. Diese geringere entzündliche Aktivität war mit einer niedrigeren Mortalität assoziiert.5
Um die Datenlage für einen optimalen Zeitpunkt des Therapiestarts zu verbessern, wurde im Herbst 2009 die START-Studie initiiert: Dabei werden Patienten mit einer CD4-Zahl >500 Zellen/μl entweder sofort antiretroviral behandelt oder erhalten erst dann eine Therapie, wenn die CD4-Zellen unter 350 Zellen/μl gesunken bzw. HIV-assoziierte Symptome aufgetreten sind.6
Chronische Entzündung durch Immunaktivierung
Ursache des erhöhten Aufkommens an Entzündungsparametern bei HIV-infizierten Patienten ist die dauerhafte Aktivierung des Immunsystems. Entsprechend zeigen Patienten mit einer chronischen HIV-Infektion signifikant höhere Lipopolysaccharid (LPS)-Werte als nicht-infizierte Personen (p<0,0001).7
Professor Dr. Georg Behrens, Hannover, erklärte: „Neben den im Rahmen der Immunaktivierung exprimierten Zytokinen tragen auch die mikrobielle Translokation, die Zerstörung der Infrastruktur in den Lymphorganen sowie der Verlust der Thymusfunktion und eine hohe Prävalenz von Koinfektionen zu einer persistierenden Inflammation bei. Eine hohe Viruslast ist dabei mit einem hohen Maß an Entzündung assoziiert.“ Für die Verringerung der CD4-Zellen sind Behrens zufolge unter anderem der virusinduzierte Zelltod, die immunologische Erschöpfung, eine vermehrte Apoptose sowie entzündungsbedingte Veränderungen der lymphatischen Struktur verantwortlich.
„Unter einer ART verringert sich die T-Zell-Aktivierung. Die chronische Inflammation bleibt aber in geringem Umfang auch bei niedriger Viruslast erhalten“, so Behrens. Diese These wird unterstützt durch Untersuchungen an so genannten „Elite Controllern“ – Patienten, die auch ohne ART keine Progression ihrer HIV-Infektion zeigen. Auch bei ihnen reduziert sich mit der Zeit die Zahl der Helferzellen – selbst wenn die Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt. Darüber hinaus lassen sich auch bei diesen Patienten vermehrt Entzündungsmarker und Zeichen einer Atherosklerose (erhöhte Intima Media-Dicke) nachweisen.8
Deutliche Analogien zu rheumatischen Erkrankungen
Den Zusammenhang zwischen chronischer Entzündung und vermehrter Arteriosklerose bzw. erhöhtem kardiovaskulären Risiko kennt man auch von rheumatischen Erkrankungen, betonte Professor Dr. Thomas Glück, Trostberg/Traunstein: „Doch nicht nur das kardiovaskuläre Risiko ist – vermittelt durch chronische Entzündungsvorgänge – bei HIV-Patienten und Patienten mit Rheuma erhöht, ebenso das Risiko für Entstehung von malignen Lymphomen, Osteoporose und metabolischem Syndrom. Für Patienten mit Rheuma ist belegt, dass eine früh im Verlauf der chronischen Erkrankung einsetzende antientzündliche Therapie diese Komplikationen vermindern kann. Selbst wenn sich die in den Entzündungsprozess involvierten Mediatoren und Zellen zwischen rheumatischen Erkrankungen und der HIV-Infektion zum Teil unterscheiden, könnte man postulieren, dass auch eine frühe Therapie der HIV-Infektion sekundäre Komplikationen verhindern könnte, zumal ja für die HIV-Infektion im Gegensatz zu den rheumatischen Erkrankungen ein kausaler Therapie¬ansatz in Form der hochaktiven antiretroviralen Kombinationstherapie zur Verfügung steht.“
Leitliniengerechte HIV-Therapie
Zur Therapie einer HIV-Infektion sehen die Deutsch-Österreichischen Leitlinien2 bei den NRTI-Backbones (Nukleos(t)idale Reverse Transkriptase-Inhibitoren) entweder Tenofovir/Emtricitabin (TDF/FTC) oder Abacavir/Lamivudin (ABC/3TC) als erste Wahl an. Diese werden kombiniert mit einem Wirkstoff aus einer anderen Substanzklasse – einem NNRTI (Nicht-Nukleosidaler Reverse Transkriptase-Inhibitor), einem PI/r (Protease-Inhibitor/geboostet mit Ritonavir) oder einem INI (Integrase-Inhibitor).
Abschließend betonte Schewe: „Eine moderne HIV-Therapie stellt für den Patienten heute eine wesentlich geringere Belastung dar als früher: Sie ist wirksamer, verträglicher und einfacher durchzuführen; zudem ist das Risiko einer Resistenzentwicklung vergleichsweise gering. Bei der Auswahl der ART sollte neben möglichen Primärresistenzen, Interaktionen und Nebenwirkungen auch die Convenience (Einnahmebequemlichkeit) für den Patienten berücksichtigt werden.“
Quellen: 1. Gilead-Symposium: HIV-Infektion: Chronische Inflammation und Therapiebeginn – je früher desto besser? 10. Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT), 24. Juni 2010, Köln 2. www.daignet.de/site-content 3. Palella FJ et al. 17th CROI 2010 # 983; Gras et al. J Aquir Immune Defic Syndr 2007 1;45(2):183-92 4. SMART Study Group N Engl J Med 2006;355:2283-2296 5. Kuller LH et al. PLoS Med 2008;5(e203):1496-1508 6. http://insight.ccbr.umn.edu/start/ 7. Brenchley et al. Nat Med 2006;12(12):1365-1371 8. Hsue et al. AIDS 2009;23:1059-1067
Gilead Sciences (Nasdaq: GILD) ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das Therapeutika erforscht, entwickelt und vermarktet, die weltweit einer Verbesserung der Behandlung von Patienten mit lebensbedrohlichen Erkrankungen dienen. Das Unternehmen vertreibt derzeit in Deutschland fünf Produkte und konzentriert sich in Forschung und klinischer Entwicklung auf den Bereich der Infektiologie. Gilead Sciences Inc., mit Firmenhauptsitz in Foster City, Kalifornien, unterhält Niederlassungen in den USA, Europa und Australien. Der deutsche Firmensitz befindet sich in Martinsried bei München.
Mittwoch, 28. Juli 2010 - 11:35 Uhr
XVIII. Welt AIDS Konferenz 2010, Wien

Die XVIII. Welt AIDS Konferenz, die vom 18. - 23. Juli 2010 in Wien statt fand, hat wieder einmal für die dringende Aufmerksamkeit im Kampf gegen die Epedemie gesorgt.
Ganz besonders eindrucksvoll waren die Auftritte von EX US-Präsident Clinton, Bill und Melinda Gates sowie das Engagement der Sängerin Annie Lennox.
Derweil es zwar hunderte von Vorträgen zu allen möglichen Aspekten von HIV/AIDS gab, lag der Fokus der Konferenz wie immer bei Welt AIDS Konferenzen eher im politischen Umgang mit der Krankheit.
Wer Interesse an den vielfältigen Vorträgen hat, kann diese über den o. g. Link auf der Konferenz Website in englischer Sprache nachlesen.
Julio Montaner, der Konferenz Präsident der Internationalen AIDS Gesellschaft fand in der Eröffnungsveranstaltung deutliche Worte zum Umgang der Politik mit den Opfern der Seuche.
Während die "reichen" G8 Länder immer mit zugesagten Zahlungen an den Global Fund in Rückstand sind, wurden die Banken weltweit mit Milliardenbeträgen vor dem Untergang gerettet.
Gleichzeitig warten noch immer Millionen HIV-Infizierte in der 3. Welt auf den Zugang zu Medikamenten, die das Sterben an AIDS endlich verlangsamen würden.
Selbst die von der WHO (Welt Gesundheits Organisation) gesteckten (bescheidenen) Ziele zum Zugang zu wirksamer HIV-Therapie weltweit wurden bisher nicht erfüllt.
Umso beeindruckender war u. a. der Einsatz der britischen Sängerin Annie Lennox, die mit vielen Auftritten und einem Menschrechtsmarsch durch die Wiener Innnenstadt auf die immer noch bestehende Diskriminierung von Menschen mit HIV/AIDS aufmerksam machte.
Dies entsprach ja auch dem Motto der diesjährigen Konferenz "Rechte hier, jetzt sofort".
Viele Länder haben nach wie vor Einreisebeschränkungen, soziales Ausgrenzung und mangelnde Unterstützung.
Besonders auf diese Mißstände aufmerksam zu machen ist der Hauptsinn und Zweck der im 2-jährlichen Turnus veranstalteten Welt AIDS Konferenzen.
In diesem Jahr wurde ganz bewußt Wien als Austragungsort gewählt. Wien als "Brücke" zu Osteuropa sollte auf die in Ländern wie Ukraine, Russland, etc. geradezu explodierenden Infektionen mit dem HI-Virus hinweisen.
Geradezu vor der "Haustür" des reichen Westens bahnt sich damit eine neuerliche menschlische und gesellschaftliche Katastrophe an, die bisher leider viel zu wenig im Bewußtsein der Welt angekommen ist.
Mittwoch, 9. Juni 2010 - 10:57 Uhr
Zahl der Aids-Infektionen konstant
Die Zahl der Aids-Infektionen in Deutschland verharrt auf unverändert hohem Niveau.
Das geht aus dem Aids-Jahresbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Demnach wurden dem Institut 2856 Neuinfektionen mit dem Aidserreger im Jahr 2009 gemeldet. Das waren etwa so viele wie im Vorjahr (2843).
Immerhin habe sich seit 2007 der in den Jahren davor beobachtete Anstieg deutlich verlangsamt, schreibt das RKI. Den größten Anteil der HIV-Infektionen stellten 2009 unverändert homosexuelle Männer (1629 Fälle).
Quelle: ARD-Videotext
Dienstag, 8. Juni 2010 - 13:49 Uhr
08.06.2010: Liste der HIV-Schwerpunktpraxen aktualisiert
Die Liste der HIV-Schwerpunktpraxen in der Bundesrepublik wurde aktualisiert
Den Download finden Sie über den o. g. Link.
Mittwoch, 2. Juni 2010 - 12:13 Uhr
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